Samstag, 15. Februar 2014

Medellín und das Abenteuer, dort einen Stellplatz zu finden



14.02.2014

Ich lasse den Motor im Leerlauf vor sich hin tuckern und gehe mit Irmi in das Restaurant, um den Blog und die Bilder los zu werden. Ich hatte etwas vergessen und gehe zurück zum Auto, der Motor ist aus, lässt sich auch nicht mehr starten. So ein Mist. Also, Blaumann an, Fahrerhaus gekippt, Dieselfilter gewechselt (man kann machen, was man will, danach stinkt man nach Diesel) von Hand das Dieselsystem befüllt mittels der Handpumpe und nach vielen Startversuchen, ich hatte schon Angst, es sei eine andere Ursache, sprang er endlich an und lief auch schnell rund. Noch ein paarmal neu gestartet, sicherheitshalber, alles in Ordnung. Was ein Glück trotz allem, das es hier auf dem Parkplatz passiert ist und nicht auf einem schmalen, steilen Stück Bergstraße. Lieber nicht an den Stress denken, den ich dann gehabt hätte. Der hat mir schon gereicht.
Also auf nach Medellín. Es geht im Wesentlichen bergab. Kurz vor Medellín, an einer Mautstelle, es stinkt nach Diesel im Auto und zwar gewaltig. Also rechts ran bei der nächsten Gelegenheit, Blaumann an, Führerhaus kippen, Brille anziehen, am Dieselfilter ist die Dichtung undicht, schlampige Arbeit von mir. Also wieder Dieselfilter öffnen, siehe oben, Dichtung neu positionieren, starten, der Filter ist dicht. An der Tankstelle bekommen wir Wasser und an der nächsten können wir den Toilettentank entleeren, die Baños sind im Freien. Ein Mann spielt dort an seinem Ipad herum, als ich zum zweiten Male an ihm vorbei gehe, ist er bereits auf unseren Blog! Ich zeige ihm, wie er den Blog mittels Google in Spanisch lesen kann.

Damit sind zwei Probleme gelöst, fehlt nur noch ein Stellplatz. Wir fahren in Richtung Zentrum durch den dichten Verkehr auf eine vier-bis sechsspurigen Straße, in eine Richtung wohlgemerkt den Medellín-Fluss aufwärts. Medellín ist riesig (über vier Millionen Einwohner) und liegt in dem engen Flusstal bzw. zieht sich die steilen Hänge hoch. Nirgends etwas zu sehen, was brauchbar wäre. Es beginnt wieder zu regnen und hunderte von Motorrad- und Rollerfahrern stehen am Straßenrad unter Bäumen und Brücken und ziehen sich meist schwarze Regenkleidung über, manche wickeln sich auch nur Plastiktüten um die Beine bzw ziehen diese über die Schuhe. Mich erinnert das an Deutschland, da war das in den fünfziger Jahren ebenso, nur, Plastik gab es damals noch nicht, man zog den Kleppermantel aus Gummi an.  

Also weiter zu dem Freizeitpark, an dem Klaus Schier gestanden ist in Estrella, einem südlichen Vorort von Medellín. Wir finden ihn mit einiger Mühe, das Problem mit den Adressen hier, die kein Navi und auch Google Maps nicht versteht. Über Nacht stehen? Nein, auf keinen Fall, das geht nicht.

Wir sind an einem Depot der örtlichen Kleinbusse vorbei gekommen, dort fragen wir. Kein Problem, wir dürfen zwei Nächte bleiben und können von hier aus mit dem Bus direkt hinunter zur Metro hinunter fahren und wieder herauf, besser geht es nicht. Alle stehen natürlich um unser Auto herum und auf der Treppe bildet sich eine Schlange, jeder will in das Auto schauen, aber das nehmen wir gerne in Kauf.
Nur der junge Mann vom Internetcafe nervt, sein Wifi geht angeblich nicht und die Netzwerkkabel dürfen wir auch nicht benutzen, da würde alles kaputt gehen. Der Typ hat keine Ahnung, aber davon sehr viel. 

In Estrella kann man die positive Entwicklung, die Kolumbien offensichtlich nimmt, an den vielen neuen, zum Teil sehr schicken Häusern erkennen, die wir bei unserem anstrengenden Spaziergang hinunter zum Stadtplatz und wieder hinauf entdecken. Es ist offensichtlich eine gut verdienende Mittelschicht entstanden, die zuversichtlich in die Zukunft blickt. Auch an Kindern mangelt es nicht. Die Schere aber zwischen Arm und denen, die hier ihre Häuser haben, die muss geschlossen werden. Sonst nutzen irgendwann die Zäune, die um die Neubausiedlungen gezogen sind, nichts mehr.

Unser Standort 6.15376, -75.64920, 1850m hoch, hoch über Medellín.

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