Freitag, 22. März 2013

Ein Tag am Strand der Koyoten





20.3. bis 23.03.2013

Die beiden Wohnmobilfahrer kommen uns am Morgen noch einmal besuchen, Auto begucken, Fachsimpeln und Erfahrungen austauschen. Dann starten wir weiter in Richtung Süden. Heading south, wie die Amerikaner sagen, Kurs Süden. Es ist die Standardfrage auf der Baja, Heading south or heading north.



Nach nur wenigen Kilometern erreichen wir Mulegé, wo es angeblich Internet vor den Hotels geben soll, wir finden keines. Also fahren wir in den Ort und finden ein Cafe mit Internet, es ist der Treffpunkt der hier wohnenden Amerikaner, es gehört auch einem Amerikaner und seiner mexikanischen Frau. Es herrscht eine lockere Späthippieatmosphäre, die uns gefällt und das Internet ist brauchbar und kostenlos.

Einen kleinen Supermarkt hat es auch, der uns mit dem Nötigsten versorgt. Nach weiteren, wenigen Kilometern bleiben wir auf dem Strand El Coyote stehen, angeblich einem der schönsten Strände der Baja.  Stellplatz am direkt am Strand unter einer Palme! Bis auf Plumpsklos einfachster Machart, die wir ja nicht brauchen gibt es hier nur kristallklares Meer, Sandstrand und Palmen. Gut, der Sand ist gewöhnunsbedürftig, ich würde ihn eher als Split bezeichnen. Barfußlaufen ist am Anfang schwierig, aber man gewöhnt sich daran. Wir richten uns ein und verbummeln den Tag, Irmi macht natürlich Spanisch.


Am nächsten Morgen packen wir den Aerius aus und paddeln eine Runde die Küste entlang, hinaus zu einer Insel und darum herum und über den Nachbarstrand zurück. 

Den restlichen Tag faulenzen wir und erwehren uns der fliegenden Händler, die aber nicht sehr aufdringlich sind. Ein Mexikaner hat einen Container mit Wasser auf seinem Truck und will es verkaufen, 150 Pesos für eine Tonne voll Wasser, ich lehne ab, der spinnt wohl, das sind 10€. Später kommt er zurück und bietet für 100 Pesos, ich bleibe hart. Frische Fische und Schrimps kaufen wir ebenfalls, zu teuer, wie Irmi meint, wir hätten handeln sollen, machen wir beim nächsten Male. Dann kommt ein sehr dunkelhäutiger Mexikaner im schwarzen Neopren angepaddelt, wir sind sehr verwundert. Es ist ein professioneller Muscheltaucher, in zwei Stunden hat er geschätzt 30kg verschiedenster Muscheln getaucht, da braucht man um diese Jahreszeit unbedingt Neopren, denn nur wenigen Handbreit unter der Oberfläche ist das Wasser noch ganz schön kalt, wie wir beim Schwimmen feststellen.
Er kann sehr gut Englisch, zeigt uns seinen Fang, erzählt, wie man sie isst (wie Austern) oder zubereitet auf dem Grill oder als Suppe. Ein lustiger, sympathischer Kerl, es gibt viel zu lachen. Er empfiehlt sie mir roh, das sei mexikanisches Viagra!

Ich sammle am Strand das Treibholz zusammen und so gibt es ein Lagerfeuer am Sandstrand bei Sternenhimmel, richtig schön kitschig. Sogar eine Sternschnuppe sehen wir.


Am nächsten Morgen geht es weiter. Beim Frühstück testet ein Kolibri, ob mein rotes T-Shirt eine Nahrungsquelle sei, ebenso wie das gelbe Auto. Enttäuscht zieht er ab. Ich leere noch den Toilettentank in eines der Plumpsklos. Dabei entdecke ich, die werden gar nicht entleert, sie werden einfach zugeschüttet und daneben wird ein neues Loch gegraben. Kompostierung auf mexikanisch. Immerhin, es gibt eine Büchse mit Kalk gegen den Gestank.

Hinter Loreto verlassen wir die schöne Küste, klettern hinauf auf eine Hochebene und ab da wird es stinklangweilig, immer geradeaus bis Ciudad Insurgentes, dann nach links ab bis zu einem RV-Park in Ciudad Constitución. Der wurde von Manfred, einem Österreicher hier gegründet und betrieben und mit viel Liebe angelegt. Die neuen, mexikanischen Besitzer sehen das Meiste nicht so eng, Manfred würde es nicht gefallen.  Egal, es hat einen Pool mit sehr frischem Wasser und am Pool geht auch das Internet.



Strandtag und dann weiter

Mittwoch, 20. März 2013

Weiter in Richtung Süden an den Golf von California



19.03.2013

Die Fahrt in Richtung Süden ist mehr oder weniger langweilig, es geht meist gerade aus durch Wüste mit Kakteen. Ab und zu tauchen ein paar Häuser auf, unverständlich, warum hier Leute leben und wovon.

In San Ignacio, einer Oase mit einem kleinen See besichtigen wir die Kirche, im 17. Jh. erbaut aus dicken Lavasteinen, die Mauern sind einen Meter dick. Daneben ist ein Museum, den Felsmalereien der Indianer gewidmet. Sie haben hier Jahrtausende gesiedelt, aber dem Druck der Spanier und der Missionierung nicht stand gehalten, sie sind mitte des 19. Jh. ausgestorben.   



Die Landschaft wandelt sich immer mehr hin zur Vulkanlandschaft mit riesigen Lavafeldern und kurz vor Santa Rosalia sieht es aus wie in den Badlands. In Santa Rosaloia gelingt es uns, die leere Gasflasche füllen zu lassen und der Geldautomat gibt auch Bargeld her, an drei Banken davor hatten wir keinen Erfolg. Ansonsten gibt es dort eine Kirche, die von Herrn Eiffel, ja, der mit dem Turm in Frankreich gebaut wurde und rund um Kap Hoorn per Schiff hierher gebracht wurde. Warum dieser Aufwand getrieben wurde, ist nicht dokumentiert. Santa Rosalia boomt, weil die Kupferminen neu eröffnet wurde und so sieht es aus, überall Müll.


Der Müll, insbesondere die vom Wind verfrachten Plastiktüten, die überall herum liegenden Autoreifen und die vielen Schrottplätze verderben mir schon häufig die Laune. Die Leute kehren vor ihrer eignen Türe, was dahinter ist, interessiert nicht.

 An einer Bucht, gegenüber liegt die Insel San Marcos bleiben wir stehen, Stellplatz mit Meerblick und direkt am Meer. Nebenan amerikanische Dauercamperidylle, der Unterschied zu Deutschland ist nur die Größe der Wohnwagen, ansonsten fehlt kein Attribut. Beim Bummeln entdecken wir zwei deutsche Wohnmobile, sie sind auf dem Weg nach Norden, einer mit einem Fiat-Fahrgestell hat ein undichtes Getriebe und hofft auf Hilfe in Las Vegas, dort hat man ihm dieses, schon mal mit viel Aufwand aus Deutschland geholtes Getriebe eingebaut.



Still heading south 

Montag, 18. März 2013

In der Kinderstube der Grauwale



18.03.2013

Um 6:00 stehen wir auf, ein Novum!  Erst mit dem Bus zum Strand und dann eine gute halbe Stunde mit einer Nussschale, kein Vergleich zu den Hightec-Booten am St. Lorenz, hinaus in die Lagune zu den Walen. Und dann tauchen die ersten Rücken im Wasser auf und alles ist entzückt, doch es kommt noch viel beeindruckender. Nach ca. einer halben Stunde sind wir inmitten einer Herde von Walen samt Jungen und die kommen so nahe ans Boot, dass man sie angreifen kann. Auch die Muttertiere ziehen nur drei Meter vom Boot entfernt durch das Meer, tauchen unter dem Boot durch, als wollten sie sich präsentieren. Dann spielt eine Meute Jungtiere vor dem Boot, das mit stehendem Motor auf der Stelle liegt, jedoch kräftig schaukelt. Es wäre ein Leichtes für die Tiere, uns umzuschmeißen, aber sie haben es noch nie getan, warum auch. Weiter draußen sieht man die riesigen Tiere aus dem Wasser springen. Die Mexikanerinnen an Bord klatschen immer wieder in die Hände, singen und sprechen zu den Tieren wie zu Hunden, es soll sie anlocken. Ob es das ist, wir wissen es nicht, auf jeden Fall “stehen“ wir im Mittelpunkt der Tiere, bis der Bootsführer nach zwei Stunden ganz vorsichtig uns aus der Herde herausbringt, man sieht ihm im Gesicht an, wie er seinen Job und die Tiere mag.

Der Salzgehalt ist in der Lagune um 4% höher als im Meer, das bedeutet ,mehr Auftrieb für die Wale und keine Orkas, für die ist es zu salzig. Und dann ist das Wasser noch wärmer als im Pazifik, also eine ideale Kinderstube, deswegen die große Ansammlung an Müttern mit Jungtieren. 

In der Lagune liegt auch die größte Salzmine der Welt mit einer Jahresproduktion von 8.000.000 to, nur nach dem Verdunstungsprinzip. Sie war die Keimzelle des Ortes und ist die Lebensader.






Es war das beeindruckenste Tiererlebnis, das wir bisher hatten, viel intensiver als am St. Lorenz Strom.

Zurück am Auto bummeln wir durch die Mainstreet, die Bilder sagen alles, es ist so ganz anders als bei uns. Man muss Trittsicherheit haben wie auf einem Bergpfad, sonst bricht man sich die Füße!







Zum Dinner gehen wir in das Restaurant. Aus den Lautsprechern ertönt Swing mit Louis Armstrong, Frank Sinatra und Billie Holiday, eine Atmosphäre wie in Rick's Cafe. Es fehlt nur Sam am Klavier. Vor dem Restaurant parkt ein Motorrad aus Italien, ich finde auch den Fahrer, aber der ist sehr wortkarg.

Irmi bestellt Fisch und ich Fleisch, der Ober schaut mich halb traurig, halb strafend an und meint, wir seien hier an der Lagune und der Fisch sei ganz frisch. Ich lasse mich überreden, der Ober hat recht, der Fisch ist super. Der Ober strahlt und alle sind zufrieden.






Der Abend vergeht mit Bloggen und Planung der nächsten Tage.