Sonntag, 7. September 2014

06.09.2014 Machu Picchu



Um 5:30 bringt uns der Campingplatzbesitzer in seinem Auto nach Poroy, dem Startpunkt des Touristenzuges nach Aquas Calientes. Um 6:40 startet der Zug pünktlich, er ist nicht ganz ausgebucht, so haben wir am Vierertisch kein Gegenüber, sehr angenehm. Mit 20 bis 45km/h zuckeln wir in Richtung Aquas Calientes bzw Machu Picchu. Ein kleiner Snack wird serviert, dann werden Devotionalien angeboten, wie im Ferienflieger. Das Personal, drei Personen je Wagon! ist sehr nett und bemüht. Die junge Dame, die uns bedient, erreicht im Stehen mit hohen Absätzen gerade mal meine Größe im Sitzen. Egal, sie ist nett, freundlich und engagiert. Das Personal stand vor der Abfahrt auch an der Türe und kontrollierte die Fahrkarten samt Ausweise, damit sich ja keiner einschmuggeln kann.

Nach dreieinhalb Stunden, 120km und 1500 Höhenmeter tiefer erreichen wir nach  abwechslungsreicher Fahrt den Urubamba, den heiligen Fluss der Inkas, das Nest Aquas Calientes. Hier steigen wir in den Bus um, der uns für schlaffe $36 (für beide hin und zurück) auf der serpentinen- und schlaglochreichen Bergpiste die 400 Höhenmeter hinauf nach Machu Picchu bringt. Die Alternative Laufen auf über 1000 Treppenstufen haben wir, nur aus Zeitgründen natürlich, außer Acht gelassen. Wartezeiten am Bus gab es wider Erwarten keine. 

Machu Picchu fasziniert, auch wenn es ein doch stark frequentierter Touristenmagnet ist, man muss es gesehen haben. Wir steigen sofort steil hinauf zur Inkatreppe, der Weg dorthin ist teilweise sehr ausgesetzt und erfordert Schwindelfreiheit. Einfach überwältigend, was diese Menschen mit einfachsten Mitteln hier geschaffen haben. Dies gilt dann auch für die Stadt, ihre Paläste und Häuser. Von der Inkabrücke wandern wir zurück in die Oberstadt, zum Tempelbezirk und zum Haus des Inkas. Wir bewundern die unglaublich steilen Terrassen, auf denen Landwirtschaft betrieben wurde, sie sind manchmal nur 2m breit und die nächste liegt 2m oder mehr tiefer. Nach mehr als eintausend Jahren später halten die Mauern die Terrassen immer noch, moderne Stützmauern unserer Zeit können da nicht mithalten. 

Wir genießen sowohl die Landschaft, die Tiefblicke und die Weitblicke. Gegen 15:00, das Wetter scheint umzuschlagen, begeben wir uns zum Bus und fahren ins Tal. 

In einer Pizzeria, direkt am Bahngleis lassen wir uns nieder, es regnet nun in Strömen. Trotzdem geht das Leben weiter, Züge fahren fast durch das Lokal. Der Regen hört auf und wir bummeln durch den Ort, hinauf zu den heißen Quellen (wir bedauern sehr, unsere Badesachen vergessen zu haben, und leihen wollen wir nun doch nicht) und wieder hinab zum Bahngleis, wo aus den Güterwaggons alles ausgeladen wird auf Karren, Schubkarren und Träger, was der Ort braucht, denn ein Fahrstraße hierher gibt es nicht. Auch die Busse, die Baumaschinen, die LKW, der Diesel, alles kam und kommt per Bahn und wird mitten im Ort abgeladen, ohne Güterrampe oder ähnliches. Man ist Meister im Improvisieren.

Der Regen setzt wieder ein, so begeben wir uns zum Bahnhof in den überdachten Wartesaal und genehmigen uns noch ein Bier. Um 17:23 startet der Zug wieder pünktlich in Richtung Cusco, es ist nun dunkel und von Fluss und Landschaft ist nichts zu sehen, auch, weil die Scheiben total beschlagen sind. Man heizt nicht dagegen, es sind keine zwanzig Grad im Waggon. Wieder gibt es einen Snack, danach werden Getränke gegen Geld angeboten, wie genehmigen uns eine halbe Flasche Rotwein, gar nicht schlecht.
Ich döse vor mich hin, als mich Lärm weckt. Ein bunter Teufel tobt durch den Gang, einer der Zugbegleiter ist zum Animateur mutiert und bringt die Leute zum Mittanzen und zum Lachen.Dann werden die zwei anderen Zugbegleiter zu Mannequins, sie führen Kleidungsstücke und Accessoires aus heimischer Wolle vor, die dann später zum Kauf angeboten werden. Man klatscht, eine ältere Dame lässt sich sogar dazu überreden, mitzumachen. Das alles bringt Zeitvertreib auf der nun langweiligen Reise durch die stockfinstere Nacht nach Cusco bzw. Poroy.

Wenige Meter vor dem Bahnhof Poroy, wir haben schon 10min Verspätung, bleibt der Zug stehen. Mehr als eine halbe Stunde vergeht ohne Information. Dann fährt der Zug wenige Meter in Richtung Bahnhof und hält wieder. Alle müssen nun durch den ersten Wagen aussteigen, der bereits am Bahnsteig steht. Nun sehen wir die Ursache des Problems, eine Lok steht auf der Weiche und kann nicht passiert werden. Viele Menschen leuchten mit Taschenlampen auf die Räder der Lok, wahrscheinlich ist sie teilweise aus dem Gleis gesprungen. Da hinter unserem Zug ein weiterer Zug in Cusco erwartet wird, herrscht Chaos am Bahnhof, alle suchen ihre Abholer bzw. ihre zu Abzuholenden. Großes Geschrei, Schilder werden hochgehalten und, wie sollte es auch anders sein, völlig sinnlos gedrängelt. Wir schnappen uns den ersten, freien Taxifahrer, der Preis von 40 Soles für die zehn Kilometer ist viel zu hoch, aber es ist nicht die Zeit für Verhandlungen. Unser Fahrer scheint der Ansicht zu sein, Heizung kostet Sprit, so ist die Heizung aus und es ist saukalt im Auto. Aber er findet zielsicher den Weg, auch, wenn er sich erst einmal weigert, in den Weg zum Campingplatz abzubiegen, ist das auch sicher?  Wir können ihn überzeugen, muy seguro, er hält aber sicherheitshalber erst im Schein einer Straßenlaterne.

Unser Auto empfängt uns mit einer laufenden Standheizung, es ist schön warm in unserer Miniwohnung. Ein langer, erlebnisreicher Tag geht um 23:00 zu Ende.    

Freitag, 5. September 2014

05.09.2014 Der Boiler ist dicht



Der Mechaniker bringt den Boiler, er ist tatsächlich dicht, also zusammenbauen und einbauen. Nachmittags um drei läuft die Standheizung wieder, das Wasser ist warm, jetzt nur noch aufräumen und dann Duschen. Aber es regnet wie mit Kübeln ausgeschüttet. Rudi bekommt neue Batterien geliefert und ich stelle fest, die Styroporverpackung der Batterien ist von besserer Qualität als die Isolierung des Elgena-Boilers.
Wenn der Regen etwas nachlässt, renne ich raus zum Aufräumen. Morgen wollen wir nach Machu Picchu, hoffentlich ist dann das Wetter besser.

Donnerstag, 4. September 2014

04.09.2014 Schrauben mit viel Frust in Cusco



Die Tage auf dem Campingplatz sind bisher ausgefüllt mit Reparaturarbeiten. Die Standheizung, die uns mit Wärme und Warmwasser versorgt, bekomme ich mit einiger Mühe wieder ans Laufen, sie war total verrußt. Den leckenden Boiler habe ich ausgebaut und ein defektes Ventil entdeckt, repariert und den Boiler wieder eingebaut. Leider hat der Boiler danach weiter Wasser verloren, also habe ich den Boiler wieder ausgebaut und komplett zerlegt, einschl. der Isolierung. Ein schweizer Nachbar hatte das gleiche Problem,  bei ihm war eine Schweißnaht gerissen. Mit Hilfe seines Kompressors haben wir den Boiler abgedrückt und siehe da, er hat zwei, in Worten zwei Löcher, aus denen es pfeift.  

Ein echtes Qualitätsprodukt von Elgena, lasst die Finger davon! Nicht nur, dass die Schweißungen miserabel ausgeführt sind, auch die Isolierung ist aus billigstem Styropor, wie man es sonst nur für Einwegverpackungen verwendet, es zerbröselt schon, wenn man es nur anschaut. Das Kunstleder der Hülle ist mit einem Tacker zusammengeklammert worden mit Klammern, die man zum Verschließen von Paketen verwendet. Dieses Produkt ist Murks und nicht einmal die Hälfte seines Preises wert.

Glück im Unglück, ein Schweißer, der einem Amerikaner in defektes Teil schweißen soll, kommt auf den Platz und meint, er könne das schweißen. Morgen werde ich sehen, ob das geklappt hat.

Gestern hatten wir ein sehr warmes Auto und heißes Wasser, heute behelfen wir uns mit dem elektrischen Heizlüfter, denn auch die zweite Standheizung hat große Probleme mit der Höhe, stinkt mehr als das sie heizt.

Dann geht auch noch eine der zwei Wasserpumpen kaputt, Rauch steigt aus ihr auf und es stinkt, danach gibt sie keinen Ton mehr von sich. Wahrscheinlich ist die Wicklung durchgebrannt.

Dienstag, 2. September 2014

01.09.2014 Baden in heißen Quellen und dann nach Cusco



Das Gewitter hat sich verzogen, ebenso der Cocarausch unseres Museumswärters. Er steht mit glänzenden Augen vor dem Moped und möchte es kaufen. Erst als ich ihm sage, dass ich 1500€ in Deutschland Strafe zahlen muss und mindestens 1000$ hier in Peru, wenn ich ohne das Moped an der Grenze ankomme, gibt er auf.Schon einmal stand ein junger Mann mit glänzenden Augen vor unserem Moped und meinte, er gäbe 8000$ dafür.

Kurz hinter dem Abra La Raya (Pass 4338 m) in Richtung Cusco gibt es Aquas Calientes, heiße Quellen. Wir halten an und gehen baden. Man hat das hier aus der Erde sprudelnde Wasser in einfache Betonbecken geleitet und ein wenig einfache Infrastruktur darum gebaut, sonst nichts. Aber wir baden in gewaltiger Kulisse, umgeben von 5000er. Eine Sauna gibt es auch,  keine finnische, sondern eine Dampfsauna. Über eine besonders heiße und damit dampfende Quelle hat man Plastikplanen gestülpt, darin ein paar Holzbretter über die Quelle gelegt und ringsum Bretter als Bänke aufgestellt, fertig ist die Dampfsauna. Auf den Brettern liegen Kräuter. Natürlich geht man nicht nackt in diese Sauna, sondern in Unterwäsche, die meisten Peruaner scheinen keine Badebekleidung zu besitzen. Eigentlich ist diese Prechlsauna auf peruanisch ganz lustig, aber uns brennen nach 10min die Augen, ob es von den Kräutern kommt oder vom Dampf ist egal, wir gehen. Die Peruaner scheint es nicht zu stören.

Etwas ermattet fahren wir weiter und wollen in Combapata abbiegen in Richtung einer alten Inkabrücke, die es dort in den Bergen gibt. Der beschilderte Weg endet nach 300m vor einer Engstelle, durch die wir mit dem LKW nicht hindurch passen. Also, Rückwärtsgang rein und die enge Gasse wieder zurück auf die Hauptstraße. Das Chaos hält sich in Grenzen, die meisten quetschen sich über den Bürgersteig an uns vorbei.

Kurz vor Cusco zieht Rauch durch das Tal, ein Hang brennt, wir kommen uns vor wie in den USA. Nur, hier tut keiner etwas, wahrscheinlich haben sie auch gar keine Infrastruktur, um so einen Brand bekämpfen zu können. Es ist jammerschade, große Mengen besten Kiefernholzes brennen und das in einem Land, in dem Holz knapp ist. Ausgelöst wurde der Brand sicher durch Unachtsamkeit, denn überall sehen wir immer wieder Feuer brennen. Nur heute bläst ein starker Wind, da ist auch ein kleines Feuer schnell außer Kontrolle.

Wir quälen uns durch Cusco, verfahren uns einmal, drehen aber rechtzeitig um. Ein Polizist auf einem Motorrad geleitet uns bis zu einer Stelle, ab der man sich nicht mehr verfahren kann.

So sind wir einen Tag früher hier, auf dem Campingplatz stehen zwar einige Autos, wir finden aber genügend Platz für uns vor.

Der Weg zurück nach Cusco

Montag, 1. September 2014

31.08.2014 Wieder in Richtung Cusco

Die Grenze nach Peru liegt nur 8km hinter Copacabana, den Grenzübertritt erledigen wir in Rekordzeit. So ein Carnet ist zwar teuer, reduziert aber die Formalitäten auf ein Minimum. Was wir im Auto haben, interessiert niemanden. Auch die Fahrgestellnumern werden nicht kontrolliert, ein Blick aus dem Bürofenster, sonst nichts. Außerdem geht der Computer des Zollmenschen nicht. Irmi bemerkt, dass nun mal Computer am Sonntag nicht arbeiten. Das bringt den bis dahin ernsten Menschen zum Lachen und er verabschiedet uns freundlich. Daran könnten sich US-amerikanische Border Controller ein Beispiel nehmen! Ähnliche Bemerkungen an deren Grenzen führten dort zur verschärften Behandlung, nicht zu freundlicherer. 

In Puno machen wir Halt und gehen Internet mit Essen, Irmi muss unbedingt wissen, wie Hannover gespielt hat. Ich schreibe den Campingplatz in Cusco an, dass wir kommen. 

Hinter Puno, ca. 30km liegt Sillustani, sozusagen das Gizeh der Inkas. Hier stehen viele Chullpas, Bergräbnistürme, in denen die Inkas ihre Adeligen begraben haben, samt Frauen, Kinder und Dienern, man war da nicht zimperlich. 


Als wir ankommen, fegt ein rauer Wind Schneeregen fast waagerecht über das Gelände. Dann reist es auf und wir bestaunen die Überreste, nur einer steht noch vollständig. Im Museum sehen wir dann noch drei Mumien, der Museumswächter hat extra für uns aufgesperrt. Für das eigentlich verbotene Fotografieren verlangt er ein Trinkgeld und bekommt es auch.

Wir entscheiden, hier stehen zu bleiben für diese Nacht. 


Ein Gewitter zieht über uns hinweg und es regnet stark. Es klopft, es ist der Museumswächter. Er reicht einen kleinen, blauen Stier durch das Fenster als Geschenk. Natürlich möchte er ein Gegengeschenk haben, was schwierig für uns ist, denn auf solche Situationen haben wir uns nicht vorbereitet. Und das dringt durch seinen Coca-Rausch nicht hindurch in sein Gehirn. Mit Batterien und einem Kugelschreiber, beides aus Deutschland, betonen wir, gelingt es uns letztendlich, ihn los zu werden. Sicherheitshalber ziehe ich jetzt die Treppe ein.


30.08.2014 Copacapana



In der Nacht hat es kräftig geregnet, gut für unser verstaubtes Auto und Moped, aber sauber sind beide nicht geworden. Es ist kalt im Auto, nur 15°C, ich mache die Warmluftheizung an. Aber die bringt kaum warme Luft, ihr ist wohl auch die Luft zu dünn. Also schalte ich sie wieder aus, damit ich die nicht auch noch reparieren muss. 


Ich tausche die Fäkalientanks, den einen habe ich vor Tagen mit Reinigungsflüssigkeit gefüllt, durch das Geschauckel ist er sauber in allen Ecken, hoffe ich. Nun ist der andere dran. In der Zwischenzeit haben sich die Wolken verzogen und die Sonne brennt vom Himmel. Im Schatten ist es kühl, ca. 15°C, aber sobald man in die Sonne kommt, spürt man die ungeheure Kraft, die sie in dieser Höhe entfaltet, fast wie Feuer auf der Haut.


Wir wandern den Kalvarienberg hinauf, ca. 200m über der Stadt. Ganz stolz stellen wir fest, dass wir den steilen Berg schneller erklimmen als die Einheimischen, nur die Kinder springen an uns vorbei und rennen dann wieder den Berg hinunter, als sei das alles nichts. Wir jedenfalls sind so schnell wie in den heimischen Bergen, also passen sowohl Kondition als auch Höhenanpassung, immerhin ist der Berg 4100m hoch.

An jeder Kreuzwegstation werfen oder legen die Einheimischen ein Steinchen auf den Sockel und beten. Auf halben Wege und oben warten Schamane, die noch schnell alte, heidnische Zeremonien zelebrieren, doppelt genäht hält halt besser. Der Blick von oben auf Stadt, See und Berge ist super und wir genießen ihn geraume Zeit, die vielen, fremden Dinge, die um uns herum geschehen, bringen zusätzliche Kurzweil.

So wird eine Marienstatue verehrt, indem man zu ihr hinauf klettert, sie mit Konfetti bewirft und ihr Luftschlangen umhängt. Darum herum sind Stände, an denen der übliche Kitsch verkauft wird, aber auch Spielzeugautos und Spielzeughäuser. 


Wir bummeln durch das Dorf, treffen unsere Nachbarn und trinken gemeinsam Kaffee, wir jeder eine Schokolade. Auf dem Rückweg läuft uns das Paar über den Weg, das mit dem eigenen Motorrad unterwegs ist, wir haben uns in La Paz im Oberland beim Essen kennen gelernt.


Zum Essen gehen wir in das Hotel La Cupula, der Eigentümer ist ein Deutscher, der hier seit zwanzig Jahren lebt. Er hat Kunst studiert und baut hier sein Lebensgesamtkunstwerk. Jedes Detail ist von ihm entworfen, alles ist sein Werk. Ein Haus hat die Form einer Schnecke, ein anderes ist eine Kuppel, daher der Name. Fast alle Plätze sind reserviert, das Restaurant genießt einen sehr guten Ruf, zu Recht, wie wir dann feststellen. Als wir mit dem Essen fertig sind, ein Rest Wein ist noch in der Flasche, kommt ein junges Pärchen herein und sucht einen freien Tisch. Setzt Euch zu uns, wir gehen gleich, sagen wir zu ihnen. Beim Plaudern stellt sich heraus, die beiden kommen aus Hannover, Stadtteil Linden. Gute Weiterreise, Euch beiden. 


Im Auto trinken wir dann den Verdauungsschnaps und beobachten das heraufziehende Gewitter.