Samstag, 9. August 2014

09.08.2014 Cusco

Heute Morgen ist das Internet so langsam, dass ich mal messe, heraus kommt eine Pingzeit von 2,5 sec, in Deutschland sind 25ms und darunter normal, also 100mal schneller. Die Datentransferrate beträgt 0,11MB/s im Download und 0,2MB/s im Upload. Das sind Zahlen, wie wir sie aus ISDN-Zeiten kannten. Den meisten in Deutschland stehen die 300fache Leistung und mehr zur Verfügung.

So dauert halt das Laden der Bilder eine halbe Ewigkeit.

Morgen wollen wir wieder los, also mache ich heute das Führerhaus sauber, immer noch ist der Staub von Lima in allen Ecken. Dann räume ich den Kofferraum auf und hole den Aerius nach vorne, damit wir am Titicacasee weniger Arbeit haben. Zum Schluss versuche ich, weitere Brenner am Gasherd ans Laufen zu bringen, vergeblich.  Ich ziehe mich in das Auto zurück und ersäufe den Frust in einer Dose Bier.

Unser Nachbar aus Marokko klagt sein Leid, der Mercedes läuft nur noch im Notprogramm und bringt kaum Leistung. Und Michel aus Frankreich hat ebenso Ärger mit seinem Euro5-VW, der bringt ob des guten Diesels hier auch keine Leistung und zeigt viele rote Warnlampen. So bin ich nicht alleine mit dem Frust.

Freitag, 8. August 2014

08.08.2014 Cusco

Wir besichtigen die Inka-Festung Saqsaywamán, die nur wenige Meter neben unserm Campingplatz liegt. Man verlangt immerhin 70 Soles Eintritt pro Person, das sind fast €20, ganz schön viel. Trotzdem, man muss diese Festung und die darin manifestierte Baukunst der Inkas gesehen haben. Steinquader bis zu 40to schwer sind hier so passgenau bearbeitet und aufgeschichtet worden, keine Messerklinge passt da mehr dazwischen. Wie die Inkas das gemacht haben? Keiner weiß es.

Nach knapp drei Stunden beenden wir diesen Besuch und laufen hinunter in die Stadt zu PeruRail, Tickets für den Zug kaufen. Wir bekommen auch die gewünschten Tickets für den 6.9.2014, müssen aber dafür $350 hinlegen, nur für die Zugtickets. Die Tickets für Machu Picchu selbst gibt es an einer andern Stelle auf der Av. Cultura, die jedoch kaum zu finden ist, weil der Eingang in einer Nebenstraße liegt und außen kein Schild angebracht ist. Man macht es Individualreisenden nicht leicht. Die vielen Agenturen sollen ja verdienen. Für 260 Soles, das sind ca. €80 bekommen wir zwei der begehrten Tickets. Da der Bus vom Bahnhof hinauf nach Machu Picchu auch noch zu bezahlen ist, kostet der eintägige Besuch von Machu Picchu knapp €500, kein billiges Vergnügen. Trotzdem ist Machu Picchu in der Saison nahezu ausgebucht. Wir jedenfalls hätten frühestens in zwei Wochen Zugtickets bzw. Tickets für Machu Picchu bekommen, deswegen haben wir unsere Planung geändert und werden erst am 6.9., also vor der Rückreise, diesen besonderen Ort besuchen.

Da wir eh genug Geld ausgegeben haben, gehen wir auch noch gut essen, Filet vom Alpaka.

Dann finde ich auch noch nach langem Suchen die Spezialschraubenzieher, mit denen ich hoffentlich den Gasherd reparieren kann. Zum Hochlaufen sind wir heute zu faul, ein Taxi fährt uns für €4 hoch zum Campingplatz.

Donnerstag, 7. August 2014

07.08.2014 Cusco


Zu Fuß machen wir uns auf den Weg nach unten. Der erste Weg führt uns zum Bahnhof, Tickets kaufen für den Zug nach Machu Picchu. Dort schickt man uns weg, die Tickets gibt es im Büro der PeruRail, ein paar Straßen weiter. Dort erklärt man uns, dass es keine Tickets für die nächsten Tage gibt, Hin-und Rückfahrt an einem Tag. Wir entschließen uns, den Besuch ans Ende der Reise zu verlagern, aber diese Tage sind noch nicht im System. Also werden wir im Internet buchen. 

Der erste Besichtigungspunkt ist die Kathedrale, sie kostet €9 pro Person, trotzdem darf man nicht fotografieren. Ich tue es trotzdem „aus der Hüfte“, entsprechend sind die Bilder. Der Prunk und das Gold bzw. Silber überwältigen uns, aber auch der Gedanke an das dafür zerstörte Kulturgut der Inkas.

Weiter geht es zur Iglesia La Compania, diesmal kein Eintritt, ebenso nicht in die alte Uni nebenan. Dann sind die Museen dran, Inkamuseum und das Museo de Arte Precolumbino. In dieses flüchten wir uns des Regens wegen, aber es hat sich gelohnt. Die Straßen aber werden durch die Nässe glatt wie mit Schmierseife überzogen, was an mancher steilen Stelle ein echtes Problem ist.

In der Granja Heidi gehen wir zum Essen. Ein Schwabe, wahrscheinlich der Besitzer, erklärt uns launisch und witzig das Tagesmenü, Spinatsuppe, in der Sonne getrocknete Kartoffeln mit Maniok und süßer Reis zum Nachtisch. Als Getränk wähle ich ein Gebräu aus schwarzem Mais, das sehr gut schmeckt, fast wie kalter Glühwein. Irmi hat schnöden Tee, dafür ist der warm, ein Vorteil, denn es ist kalt geworden. Der Wirt ist Agrarwissenschaftler, lebt nach eigenen Worten seit mehr als einem halben Leben hier und erklärt uns ausführlich, wie man hier Kartoffeln, von denen es ca. 400 Sorten gibt, haltbar macht durch Gefriertrocknen oder Sonnentrocknen. Die Heidi samt Wirt empfehlen wir wärmstens!

Im Centro Commercial Paraiso am Stand O6 gibt es einen kompetenten Menschen, der mir einen  Akku in den Tablet einbaut, gebraucht aus einem anderen zwar und mit €18 eigentlich zu teuer, aber ich lasse es trotzdem machen.

Im Schweiße meines Angesichts laufen wir, Irmi schwitzt nicht, die 200 Höhenmeter bzw. 3km hoch zum Campingplatz.

Die Buchung der Fahrkarten scheitert an irgendwelchen Sicherheitsabfragen bei dem Bezahlversuch mit der Kreditkarte. Also werden wir morgen wieder  bei PeruRail auf der Matte stehen.

Mittwoch, 6. August 2014

06.08.2014 Cusco



Irmi übergibt die Wäsche an die Betreiberin des Campgrounds, dann fahren wir mit dem Taxi in die Stadt. Endlich haben wir die notwendige Versicherung für das Auto, für sage und schreibe €8/Monat. Wir haben aber keine Ahnung, was die abdeckt. Dann noch in den Supermarkt zum Einkaufen. Der Versuch, einen neuen Akku für den Tablet zu bekommen, scheitert. Mit dem Taxi geht es zurück ins Camp. Irmi hat Fleisch für Osso Buco gekauft, das gibt es, sehr lecker. Das Moped wird gewaschen, springt auch an, nimmt aber kein Gas an. Das zu reparieren habe ich keine Lust, da fahren wir irgendwann mal bei einer Yamaha-Werkstatt vorbei. Auch der letzte Versuch, die Dachhaube zu reparieren, scheitert, ohne ein neues Schneckenrad wird das nichts.


Ein argentinisches Paar kommt an mit einem kleinen Peugeot Kastenwagen mit der Aufschrift Ushuaia-Alaska. Ob die wissen, was sie sich da antun? Sicher nicht. Er kommt herüber, sieht Germany auf dem Auto und  sagt „Don’t talk about football“. Wir lachen alle herzlich!

Der Weg nach Cusco

Dienstag, 5. August 2014

05.08.2014 In Cusco angekommen

Der Weg nach Cusco endet relativ schnell in einem Stau, die Straße wird großzügig erneuert und deswegen steht immer nur eine Fahrtrichtung zur Verfügung, theoretisch! Praktisch wird losgefahren, weil einer los fährt, dann kommt der Gegenverkehr und es entsteht Chaos. Da wir nicht unter Zeitdruck sind, können wir uns das Ganze in Ruhe ansehen. Dann umschwirren uns noch unzählige Verkäuferinnen und Verkäufer, die von warmer Inkacola bis zur gebratenen Forelle alles zum Essen und Trinken anbieten, was das Herz begehrt. Irgendwann greift ein genervter Busfahrer ein, staucht die Männer, die den Verkehr regeln sollen, zusammen und zumindest für uns geht es weiter. Ich lasse ihn dafür gerne an mir vorbei, der arme Kerl fährt nach Fahrplan Lima-Cusco.


In Ancahuasi halten wir an, viele festlich geschmückte Indigene stehen vor einem Altar, irgendetwas wird gefeiert. Der Dorfpolizist begrüßt uns mit Handschlag und stellt sich vor. Generell haben wir bisher nur freundlichste Polizisten erlebt, an allen Kontrollen wurden wir freundlich gegrüßt und durchgewinkt. 


Die Messe dauert ewig und nach der Messe redet der Pfarrer eindringlich über das Geld, das er für irgendetwas braucht. Überzeugt sehen die Leute nicht aus, aber irgendwann erhebt sich einer, schreitet nach vorne und bezahlt. Die Scheine werden hochgehalten, der Betrag wird notiert und eine der anwesenden Kapellen spielt einen fürchterlichen Tusch, geführt von der großen Trommel. Der Kleidung nach zu urteilen, sind es die Honoratioren, die da bezahlen. Uns erscheint, der Pfarrer macht einen richtigen Psychoterror, indem sie diese Menschen geradezu nötigt, viel Geld zu bezahlen. Glücklich sehen sie nicht aus dabei.


Endlich sind alle durch und man trägt eine Marienstatue durch den Ort. Davor tanzen die Jungen in eigenartigen Kostümen, uns kommt es so vor wie eine Mischung aus alemannischer Fasnacht und Perchtentanz. Wir haben es gesehen und ziehen weiter.  


In  Cusco soll uns das Navi soll zum Campingplatz leiten. Wir landen aber in den steilen Hängen der Wohnviertel mit seinen engsten Sträßchen und hätten uns beinahe festgefahren. Eine Spitzkehre war so eng, dass ich ein halbes Dutzend Mal rangieren musste.  Dadurch war die Druckluft zu Ende, das Auto stand erst einmal. Zu Fuß habe ich den weiteren Weg erkundet, kein Durchkommen, also Drehen. Der Platz zum Drehen war so steil, dass das Auto trotz angezogener Bremsen über alle vier Räder rutschte. Irgendwie haben wir es geschafft. Kurz vor dem Platz, er liegt direkt an alten Inkastätten, läuft ein Pferd vor uns über die Straße, ein Kleinbus kann nicht mehr bremsen, erwischt es voll, das Pferd überschlägt sich in der Luft. Mir wurde sofort schlecht bei dem Anblick. Ob das Pferd das überlebt hat, wir wissen es nicht.


Auf dem Platz selbst stehen 8 Autos, vom PKW bis hin zu Rita und Rudis Volvo ist alles vertreten. Die Leute kommen aus Frankreich, England, Marokko, USA und Brasilien. Die Brasilianer sind deutschstämmig und sprechen ausgezeichnetes Deutsch. Einer erzählt mir den folgenden Witz: Als man nach dem Spiel Brasilien gegen Deutschland am nächsten Tag das Stadion aufgeräumt hat, fand man noch zwei weitere Tore.

Unser Standort -13.5056000, -71.9850388, 3610m hoch 




04.08.2014 Auf rauher Piste

Für 120km brauchen wir über fünf Stunden auf einer unglaublich schlechten, staubigen Piste, die jedoch den Status einer Bundesstraße hat. Zeitweise geht es nur im Schritttempo durch die tiefen Schlaglöcher. Wie muss das erst in der Regenzeit sein, wenn der viele Staub zu Schlamm geworden ist?  Atemberaubend sind jedoch die Ausblicke über den völlig ungesicherten Straßenrand in die Schluchten, nichts für schwache Nerven. Es ist kaum Verkehr, selbst die Collectivos sind rar. Wenn uns schon mal ein Auto entgegen kommt, dann ein 40Tonner und es wird sehr, sehr eng bzw. ich muss zurück, es geht einfacher mit meinem kleinen Auto. Dann taucht tief unter uns Abancay auf und eine Teerstraße ist zu sehen. Es dauert aber noch fast zwei Stunden und viele Serpentinen, bis wir diese erreicht haben.

In Abancay schauen wir schnell ins Internet und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein, dann erklimmen wir wieder einen 4000m hohen Pass. Kurz hinter der Passhöhe ist eine Inkasiedlung mit einer riesigen Steinkugel, auf der reliefartig Landschaften und Häuser dargestellt sind. Man vermutet, es sollte Darstellung der vier Teile des Inkareiches sein, wissen tut man aber nahezu nichts darüber. Hier hätten wir übernachten sollen, denn in Curahuasi finden wir leider keinen Stellplatz, es ist alles viel zu eng und zu steil. So bleiben wir einfach am Straßenrand oberhalb der Thermalquellen von Jonoc stehen, die Dämmerung ist schon recht weit fortgeschritten, da möchte ich die schmale, steile Straße hinunter zu den Quellen nicht mehr fahren. Tief unter uns der Rio Apurimac, ein Quellfluss des Amazonas.
  
Unser Standort -13.5474567, -72.6351852, 2100m hoch, ca. 15km hinter Curahuasi

Montag, 4. August 2014

03.08.2014 Paddeln in der Laguna Pacucha


 
In dem chaotischen Andahuaylas, es ist Sonntag und viele strömen aus den umliegenden Dörfern zum Markt, finden wir einen Geldautomaten und eine Internetbude. Den Geldautomaten haben wir dringend nötig nach dem vielen Lösegeld, das wir gestern bar bezahlt haben.

Wir flüchten wir in Richtung Cuzco. Vorher wollen wir aber zur Laguna Pacucha, nur wenige Kilometer von Andahuaylas entfernt. Dort, an dem schön gelegenen See angekommen, kommt Irmi die Idee, lass uns hier mal wieder in den Aerius steigen. Gesagt, getan! Wir stellen das Auto eben und packen aus. Innerhalb weniger Minuten haben wir so viele Zuschauer wie noch nie, man sitzt und steht dicht gedrängt, fast zu dicht um uns herum, während wir aufbauen. Ich schwitze wie immer beim Aufbauen und bin kurzatmig, wir sind immerhin 3110m hoch. Es ist die Höhe, versuche ich auf Spanisch zu radebrechen, Deutschland läge viel tiefer. Die Zuschauer und ich  lachen, wenn man lacht, insbesondere über sich selbst, ist hier das Eis ganz schnell gebrochen, dann schauen sie auch nicht mehr so finster. Wir haben diese indigenen Menschen in der Zwischenzeit herzlich gern.

Endlich ist es geschafft und alle bewundern das schöne, rote Boot. Wahrscheinlich ist es der erste Aerius, der in dieser Lagune zu Wasser gelassen wird. Wir umrunden die Lagune und bewundern uns selbst ein wenig, dass wir trotz der Höhe so zügig paddeln können. Auf dem Rückweg kommt Wind auf und als wir den Aerius aus dem Wasser haben, zeigen sich die ersten weißen Häubchen auf den Wellen.

Wir sind froh, wieder an Land zu sein, denn die Spritzdecke hatten wir nicht mitgenommen und die wäre nun dringend nötig. Ich wasche noch das Salz des Golfs von Kalifornien ab, so lange hatten wir das Boot nicht  mehr im Wasser. Das Boot trocknet schnell in der Sonne, beim Abbauen haben wir deutlich weniger Zuschauer. Ein junges Pärchen fragt, ob es fotografieren darf. Natürlich, man posiert vor und in dem Boot.

Das Boot ist verstaut und wir gehen zum Essen in das nahe Lokal, zweimal Trucha, also Forelle in bester Qualität und auch schön präsentiert samt zwei großen Bier kosten ca. €13.

Nun weht ein kalter Wind von den schneebedeckten Bergen herunter, noch ein Glas Wein in der Sonne vor dem Auto ist nicht, es ist einfach zu kalt. Und das Wasser ist richtig kabbelig geworden mit vielen weißen Schaumkronen.  
Welch ein erholsamer Tag im Gegensatz zu gestern. Wir schließen ihn ab mit einem Spaziergang durch das Dorf in der Dunkelheit, immerhin, die Hauptstraßen sind beleuchtet. Aber das brüllende Leben ist nicht auf den Straßen.

Unser Standort -13.6109772, -73.3372345, 3110m hoch