Mittwoch, 15. Januar 2014

Stress am Frankfurter Flughafen und der erste Tag in Costa Rica



12.01.2014

Wir haben in den Tagen zu Hause jeder seine Bronchitis auskuriert, die ich von Costa Rica mitgebracht und dann an Irmi weitergegeben habe, waren zweimal im Kino, Dancing in Jaffa und Bethlehem. Beide Filme bieten tiefe Einblicke in die jüdische und palästinensische Seele und bringen uns zu der traurigen Einsicht, wir werden in unserem Leben einen Frieden in Nahen Osten nicht mehr erleben werden. Irmi war in Berlin und hat einen wunderbaren Tag mit Malte, Maria und Dagmar verlebt. Und jeden Abend saßen wir am Ofen und haben die meditative Wärme und Stimmung des Feuers genossen. Verabschiedet, wahrscheinlich für immer, haben wir uns von einem lieben Menschen, dessen Krebs nicht mehr zu beherrschen ist, ein sehr schwerer, aber notwendiger Gang.

Der ICE bringt uns komfortabel nach Frankfurt an den Flughafen, wo wir arglos am AirRail-Terminal unsere Koffer abgeben wollen, den Check-in habe ich bereits gestern per Internet gemacht. Dann der Hammer, der Typ am Schalter will uns nicht in das Flugzeug lassen, weil wir kein Rückflugticket  haben, so seien die Einreisebestimmungen. Seine Fragen sind auf dem Niveau der amerikanischen Border Control, was ich ihm auch frei weg in das Gesicht sage in meinem Ärger. Dass wir eine gültige Aufenthaltsgenehmigung für Costa Rica bereits im Pass haben, dass wir ein Auto nachweislich dort stehen haben, das interessiert ihn nicht, eben wie in den USA. Er schickt uns schließlich quer durch den Flughafen zu seinem Supervisor, natürlich mit Gepäck, diese Schlepperei wollten wir ja durch den Check-in nahe am Fernbahnhof vermeiden.  

Der wenigstens schaltet sein Gehirn ein, macht zu seiner Absicherung Kopien von unseren Pässen und den Zolldokumenten und lässt uns in das Flugzeug. Um uns zu beruhigen, gönnen wir uns ein Weißbier und haben den nächsten Schock, €8,80 für zwei KLEINE Weißbier. Das sind Preise wie auf der Reeperbahn, da sieht man aber noch etwas dabei.

Unser Flugzeug steht weit weg auf einer Außenposition, wir werden mit dem Bus hingefahren und müssen über das Rollfeld laufen. Das kann Anfang Januar sehr unangenehm sein, wir haben aber weder Regen noch Schnee. Die Maschine ist sehr neu, außen mit Motiven aus „Ach wie schön ist Panama“ beklebt, die schöne Kindergeschichte von Janosch. Innen hat jeder nun seinen eigenen Bildschirm, aber der Sitzabstand hat sich leider nicht geändert.

Der Flug selber war alles andere als ruhig, starke Turbulenzen fast während des ganzen Fluges. In Santo Domingo dürfen wir dieses Mal aus dem Flieger, dafür dauert es aber deutlich länger als beim Hinflug nach Deutschland, über 2 Stunden. Beim Aussteigen wird unser Handgepäck durchleuchtet, wozu eigentlich? Denken die, jemand bringt eine Bombe mit aus dem Flugzeug?
Auch bei der Einreise in Costa Rica wird unser gesamtes Gepäck geröntgt und ich erwarte Ärger wegen der Motorradkette und der Fettspritze, aber es interessiert keinen, auch die Salami geht durch. Keiner schaut wirklich auf den Monitor.

Ein Taxi bringt uns nach Atenas zum Auto, das tatsächlich noch da steht. Nach dem Frühstück im Hotel und dem Einräumen geht es los zu Mercedes in San José.

Dort angekommen werden wir behandelt wie VIPs, man lädt uns kostenfrei in die Kantine zum Essen ein, ein Fahrer fährt uns mit einem Sprinter zum Supermarkt, damit wir nicht mit dem großen Auto fahren müssen und der Meister selber fährt das Auto in die Werkstatt, wo wir auch übernachten dürfen. Selbst die externe Security in Person von Jimmy kümmert sich rührend um uns, er stellt uns, als er geht, noch die Nachtschicht vor. Die Werkstatt ist wirklich, wie es schon Klaus Schier vor Jahren beschrieben hat, nahe am deutschen Spitzenniveau. Man stelle sich vor, wir übernachten in der Werkstatt von Mercedes Hannover, undenkbar! Das Ausbauen der Bremsbacken ist aufwändig und der Mechaniker macht bis 18:00. Ich assistiere ihm, obwohl wir uns kaum verständigen können, verstehen wir uns prächtig. Er ist immer wieder erstaunt, dass ich das Werkzeug schon in der Hand habe, das er benötigt und ihm reiche. Morgen um 7:30 machen wir weiter. Wir jedenfalls freuen uns auf das Bett, nachdem wir seit 40 Stunden keines mehr gesehen haben.

Freitag, 3. Januar 2014

Der Flug nach Deutschland


30.12.2013


Wir haben ja etwas überstürzt den Entschluss gefasst zu fliegen, also haben wir jede Menge verderblicher Vorräte an Bord. Gestern haben wir Unmengen von Gemüse und etliche Eier zum Abendessen verdrückt, alles andere wanderte in den Kühlschrank bzw. ins Eisfach und kommt dann ins Gepäck, bei uns wird nichts weggeworfen! Mal sehen, ob wir damit durch die diversen Gepäckkontrollen kommen. Um es vorweg zu nehmen, wir kamen!



Das Taxi kommt pünktlich und bringt uns in einer halben Stunde zum Flughafen, wo das Einchecken überraschend schnell geht, ebenso der Security-Check. Man ist sehr gut organisiert, muss dafür aber pro Person $27 Flughafengebühr bezahlen! Dafür sollte dann das angeblich freie Internet funktionieren und ebenso die Steckdosen. Die gibt es reichlich, aber keine funktioniert. Und dann mein Lieblingsthema, Toilettenpapier! Hier ist es, wie fast überall in Amerika superdünn, aber zusätzlich noch rau wie Schleifpapier Körnung 200 und maximal 8cm breit, schwierige Bedingungen für uns Mitteleuropäer!



Auf dem Flug nach Deutschland machen wir Zwischenstopp in Santo Domingo, wo etliche Passagiere aussteigen, andere zusteigen. Zusätzlich wird die Maschine gereinigt innen und die Crew gewechselt sowie getankt. Das Ganze dauert fast zwei Stunden, die Maschine verlassen dürfen wir aber nicht, was eine Unverschämtheit ist, von wem auch immer.



Der Flug ist fast eine halbe Stunde schneller als Plan, so stehen wir schon um 5:30 Ortszeit, also 22.30 mittelamerikanischer Zeit, nach der unsere innere Uhr noch geht auf einem fast menschenleeren Flughafen Frankfurt. Fast alles hat geschlossen. Ein ICE bringt uns bequem nach Hannover.



Fortsetzung folgt am 12.1.2014

Sonntag, 29. Dezember 2013

Eine unvorhergesehene Entwicklung

29.12.2013

Wir haben gestern Abend noch einmal unsere Situation diskutiert, in San Jose steht die Welt still bis mindestens 6.1.2014, ob wir dann sofort einen Termin bei Mercedes bekommen, ist fraglich. Die Teile sind auch noch nicht da, vermutlich auch das Festtagsproblem. Und bei der Fähre ist ebenso dicker Nebel, der uns zum Warten bringen wird. Oder wir müssen den ungeliebten Weg, das Auto per Kran auf ein Schiff laden zu lassen, gehen. Auf jeden Fall heißt es WARTEN, etwas, was wir hassen. Ein Blick ins Internet zeigt uns einen supergünstigen Flug von San José nach Frankfurt am 30.12.13 um 9:20. Ähnlich günstig der Rückflug am 12.01.14. Wir überschlafen die ganze Sache noch einmal und heute Morgen haben wir die Flüge gebucht. Wenn schon warten, dann in Deutschland! Das Auto können wir in einem Hotel stehen lassen, das wir auf der Seite der Menrads entdeckt haben, http://www.hotelcolinasdelsol.com/.


Auf dem Wege dahin passiert der GAU, das Moped fällt vom Heckträger und schleift hinter dem Auto her, überholende Fahrer machen uns darauf aufmerksam. Aus welchen Gründen auch immer ist ein Spanngurt gerissen und ist vollkommen weg. Die restlichen Gurte und das Kabelschloss haben das Moped so gehalten dass es mit dem Heckkoffer über die Straße geschliffen ist, der ist hin. Was sonst hin ist, untersuche ich erst gar nicht, ich kann es eh nicht reparieren. Sofort sind vier hilfsbereite Ticos da und wuchten mir das Moped wieder auf den Heckträger und wir machen es gemeinsam neu fest. Von nun an fahre ich mit eingeschalteter Heckkamera, das Moped fest im Auge. Im Hotel nehmen wir uns ein Cabana und bestellen ein Taxi zum Flughafen für 6:00.

Samstag, 28. Dezember 2013

Ausflug in den Regenwald mit Folgen

28.12.2013

Wir fahren mit dem Moped die knapp 20km zu dem Ort, wo man z.T. auf Hängebrücken durch den Regenwald laufen und auf ihn herab schauen kann. Die Tour dauert ca. 2 Stunden und kostet $15 p.P. für Senioren.

Wir sind mäßig begeistert, denn außer ein paar Vögeln und vielen Pflanzen ist wenig zu sehen. Wir hatten mehr Vögel und auch blühende Pflanzen erwartet, aber Fehlanzeige. Und die ganz großen Biologiefans sind wir beide nicht. Geregnet hat es auch noch!

Auf der Rückfahrt dann passiert es, an einem steilen Berg schalte ich zu spät in den ersten Gang, das Moped packt es nicht mehr und wir fallen sozusagen im Stehen um. Irmi hat eine schmerzhafte Abschürfung an der Wade, ich ein Brandzeichen des Auspuffs ebenso an der Wade. Nicht gut gelaufen!

Am Nachmittag pflegen wir unsere Wunden, ich meine seelische besonders, der Fahrfehler ärgert mich schon gewaltig. Irmi wäscht und backt Brot und ich turne auf das Dach, um die zersplitterte Dachhaube nachzukleben. Hoffentlich ist das Ersatzteil bald da.

Als wir zum Essen gehen, reden wir mit Frau Ulrich über unsere Pläne. Sie hat große Bedenken, dass in San José vor dem 6.1.2014 überhaupt jemand arbeitet und ruft einige Bekannte an, die bestätigen die Hiobsbotschaft.

Morgen kommt mindestens ein Bus von Rotel hier an, sich schlägt vor, das Reparaturproblem mit dem Fahrer zu besprechen.

Und dann kommen noch einige russische Reisende hier an, es seien nicht die ersten, informiert uns Frau Ulrich.

Freitag, 27. Dezember 2013

Mit der Bergbahn zum Drehrestaurant

27.12.2013

Herr Ulrich ist vor 50 Jahren aus der Schweiz hierhergekommen und betreibt hier auf 190ha Rinderzucht mit Schweizer Kühen und ein Hotel mit Drehrestaurant, auf das eine kleine Eisenbahn hinauffährt auf sehr holprigen Schienen, aber es ist einen Attraktion, die auch schon Jimmy Charter im Jahre 2000 genutzt hat. Auch wir zuckeln hoch und der Chef persönlich gönnt sich das Vergnügen zu fahren. Es ist wirklich sein Spielzeug, man sieht es ihm auch an beim Fahren und Rangieren. Und er hat alles hinein gebaut, was eine richtige Bergeisenbahn braucht: Zwei Tunnel, eine 360°-Kehre mit Viadukt, eine Spitzkehre mit Umrangieren der Lok und das Ganze endet in einem Tunnelbahnhof. Die Ausblicke auf den Vulkan und den See sind grandios, insbesondere, weil kein Wölkchen am Himmel ist. Der Vulkan ist seit zwei Jahren ruhig, Herr Ulrich meint, das sei seit dem Erdbeben auf der anderen Seite der Weltkugel in Japan, da habe sich „da unten“ wohl was verschoben. Das Drehrestaurant dreht sich, ich bin begeistert, er hat alles selbst konstruiert und mit einheimischen Handwerkern gebaut. Und er ist Landwirt, kein Techniker!

Wir unterhalten uns so intensiv über sein Leben und seine Erlebnisse und Erfahrungen hier, dass er die Abfahrtszeit „seines“ Zuges versäumt. Nur eine Anekdote über die unterschiedliche Kultur:  Leihst Du mir 50.000 Colones? Ich habe leider nur 30.000. Gut, dann gib mir die und du schuldest mir noch 20.000 Colones. Und leihen (prestar) heißt hier, man muss es nicht zurückgeben. Dann heißt es alquilar, vermieten! Das habe er auch lernen müssen.


Zurück im Tal entscheiden wir uns für Pool, ich telefoniere mit Sanblasferry, sie haben noch keine Genehmigung aus Bogota, hoffen aber, sie bald zu bekommen. Und das Päckchen ist in Costa Rica, Alberto, unser noch unbekannter Freund und Helfer hat mir das gerade gemailt.

Vom Pazifik an den Arenalsee

26.12.2013

Morgens tropft es auf das Dach, leichter Regen war unser Gedanke. Nein, dichte Nebelschwaden werden vom Wind um das Auto herumgetrieben und diese Tropfen sind es. Im dichten Nebel fahren wir weiter, erst ganz spät reißt es auf und wir können die schöne Landschaft genießen, ich weniger, denn die Straße ist weiterhin schmal und geht steil bergauf und bergab. Ein Viehtransporter vor uns ist noch langsamer als unser Auto und er denkt gar nicht daran, die immer länger werdende Schlange hinter uns vorbei zu lassen. Ich habe das bisher natürlich gemacht, man ist schließlich Gast hier. Das führt natürlich zu waghalsigen Überholmanövern, die aber alle gut gehen.

In Fortuna steigen wir 450 Stufen hinab zu einem beeindruckenden Wasserfall, in dessen erstaunlich kaltem Wasser wir auch baden. Die 450 Stufen wieder hinauf und die gesamte Erfrischung ist futsch!

Der im Führer beschriebene Campingplatz existiert nicht mehr und die Lodge, die Camping anbietet, hat eine viel zu niedrige Einfahrt, da passt noch nicht mal ein Hochdachbully durch.


Letztendlich fahren wir dann an den Arenalsee zum Hotel Los Hereos, das von einem Schweizer Ehepaar betrieben wird und an dem wahrscheinlich alle, die so unterwegs sind wie wir, stehen bleiben. Auch Rotel-Tours ist hier Gast und wird erwartet, erfahren wir. Auch wir dürfen hier übernachten und zum Abendessen, wie sollte es anders sein, nehmen wir Züricher Geschnetzeltes mit Rösti! Neben uns sitzt ein junges Berliner Paar, sie ist Tierärztin und man sammelt per Schmetterlingsnetz Schmetterlinge für eine private Sammlung, aber auch Schaben und Schlammfliegen sind willkommen, die in Schraubgläsern mitgeführt werden. Vielleicht findet man ja mal etwas, das die Wissenschaft noch nicht benamt hat und kann sich auf diese Weise verewigen.

Unser Standort 10.47470, -84.82892

Vom Pazifik an den Arenalsee

Donnerstag, 26. Dezember 2013

On the Road again to the Volcano Arinal



25.12.2013

Es wird Zeit für uns, mal wieder zu fahren. Zu lange an einem Ort, das liegt uns nicht.

Die Ausfahrt war wieder abenteuerlich und ging nicht ohne Kollateralschaden ab, ein Kabel musste daran glauben, obwohl einer der Campingplatzbetreiber auf dem Dach des Führerhauses bzw. des Koffers permanent hin und her turnte, um die Kabel zu liften.

Wir überqueren die Halbinsel und überschreiten dabei die Kordilleren auf steilen und schmalen, zum Teil pistenartigen Straßen. 500m hoch, 500m wieder hinunter, beides meist im 2. Gang.

Den Golf von Nicoya überqueren wir mit einer Fähre, €30 für Auto und 2 Personen ist für fast 1½ Stunden Fahrt ein fairer Preis. Unser Tagesziel, San Ramon, liegt über 1200m hoch, also haben wir eine ordentliche Tagesbilanz an Höhenmetern. In San Ramon finden wir keinen geeigneten Stellplatz, also weiter in Richtung Arenalsee. Die Straße wird wieder schmal und steil, ist aber in gutem Zustand. An einer Imbissbude fragen wir, ob wir auf deren Parkplatz übernachten dürfen, wir dürfen. Die Polizei schaue des Nachts regelmäßig hier vorbei, versichert man uns. Das Pollo mit Reis ist hervorragend, leider haben sie kein Bier, das trinken wir dann im Auto, denn draußen ist es mit nur noch 23° für uns recht frisch, wir haben uns zum Essen die Fleecejacken übergezogen. Im Auto aber haben wir noch die Wärme der Küste gespeichert.

Die Landschaft hier erinnert uns sehr an das Hügelland zwischen Graz und Maribor, steile Hänge, weite Blicke, gepflegte Wiesen. Aber natürlich Palmen und Bananen.

Überhaupt ist Costa Rica weit sauberer als die bisher durchfahrenen Länder, auch fehlen die Schrottautos auf den Straßen und auf der Ladefläche der Autos steht oder sitzt niemand. Motorräder, besetzt mit vier Leuten haben wir auch keine gesehen hier.

Unser Standort 10.15087, -84.48921, 1222m hoch