Mittwoch, 8. Juni 2011

Whalewatching und andere Begegnungen

07.06.2011
Wir starten bei recht gutem Wetter in Richtung stromaufwärts. Wir fahren in die Indianersiedlung Betsiamites und beobachten einen Kindergarten, der Besuch von der Feuerwehr bekommt. Die Kleinen sind wie Schlittenhunde an der Leine, ungewöhnlich, aber praktisch.




In Forrestville entdecke ich einen Truckservice, der vertrauenerweckend aussieht. Wir fragen und kommen auch gleich an die Reihe. Ein ähnliches Teil wie ich es brauche, hat er nicht, aber es wird gut improvisiert, das Ganze kostet $25.


Ab hier wird das Wetter schlechter. Irgendwo bei Portneuf Bieber-sur-Mer machen wir eine Kaffeepause. Zwei ältere Franzosen mit eine PKW ebenso, aber die trinken Bier! Sie sprechen mich in recht gutem Englisch an, wir kommen ins Reden über Diese und das und ich musste höflichkeitshalber ebenfalls ein Bier trinken. Alles bei leichtem Nieselregen im Freien.



In Longue-River besichtigen wir einen großen Wasserfall, als wir in einem Nebenbach einen Bieber abtauchen sehen. Wir stellen uns ganz ruhig in der Nähe der Burg an das Ufer und siehe da, er taucht wieder auf. Ich kann fotografieren und es dauert sicher eine halbe Minute, bis er uns bemerkt und abtaucht.

Weiter zum Whalewatching nach Les Bergeronnes, aber die haben noch Winterruhe, erzählt uns ein junger Franzose aus dem Elsass, der kein Deutsch kann. Aber von den Outlets in Metzingen, da schwärmt er.
Ich buche dann in Tadoussac eine Tour mit dem schnellen Schlauchboot, das Wetter ist wieder gut. Irmi hat Angst um ihren Magen und bleibt an Land.






Die Fahrt mit dem schnellen Boot ist beeindruckend und es gibt auch ausreichend Wale zu sehen, auch Belugas, aber keine großen Finnwale. Das war auch nicht meine Erwartungshaltung, ich bin sehr zufrieden mit der zweistündigen Tour, die sehr ruhig war, da hätte auch meine Frau kein Problem gehabt.
Auf der Suche nach einem Campingplatz entdecken wir einen schönen Platz in den Dünen hoch über dem St. Lorenz und beschließen zu bleiben. Nebenan steht ein junger Franzose aus der Auvergne, der hier mit dem Auto von Verwandten Urlaub macht, ein netter Kerl.
Wir haben Hunger und verschwinden in unserem Auto. Beim Essen fragt Irmi, ob die Fenster durch das Kochen so angelaufen seien? Nein, es war dichter Nebel, der vom Strom heraufgezogen war. Wir überlegen, ob wir morgen Whalewatching mit dem Aerius machen. Wir werden es morgen entscheiden.


08.06.2011
Der Nebel war zwar die letzte Nacht zeitweise weg, ist aber jetzt wieder dicht vorhanden.

Der Ausflug mit dem Aerius ist viel zu riskant, also, wir fahren den Fjord entlang an den Lac Saint Jean, ca. 250km. Wenn wir dort ein besseres Internet haben werden als hier, folgen dann Bilder, ansonsten später.

Montag, 6. Juni 2011

Ruhetag am St. Lorenz Strom




Das Wetter ist wider Erwarten schön und wir beschließen, einen Tag hier zu bleiben. Mal sehen, wie kalt das Wasser ist.

Ansonsten nutzen wir den Tag, um zu putzen, die Wäsche zu waschen (Waschmaschine wäscht nur kalt!) und mittels des recht schnellen Internets den Blog und die Bilderalben zu aktualisieren.
Der Campingplatz könnte auch irgendwo in Frankreich liegen, rustikale Ausstattung und überall sinnlose Regeln, die keinem interessieren.



 Gegen Mittag kommt wieder Nebel auf, der kalte Strom und die warme Luft eben.




Sonntag, 5. Juni 2011

Wir stehen am St. Lorenzstrom und warten auf die Fähre

03.06.2011

Der Morgen ist kalt als wir in Richtung USA aufbrechen, den gestauten St. John River entlang. Wir fahren an wunderschönen Grundstücken mit Seeblick bzw. eigenem Steg vorbei, teilweise „on sale“. In Nackawic holen wir das erste Mal Bargeld aus dem Automaten, es funktioniert ähnlich wie in D. Vor der Bank stehen zwei Frauen und verkaufen gegrillte Bratwurst, wir gönnen uns je eine, Stückpreis $4. Sie erzählen uns, dass der Stausee im Winter zufriert und ein phantastischer Spielplatz für Iceskating und Skidooing sei. In Woodstock (nein, nicht DAS Woodstock) verlassen wir den Highway in Richtung USA.
An der Grenze brauchen wir 30min bis alles erledigt ist. Der Grenzer war freundlich aber korrekt. Ein über die 90 Tage hinausgehendes Dokument hat er aber nicht ausgestellt. Nun gut, brauchen wir auch nicht. Es wurde das Auto (jedes) automatisch fotografiert, Fingerabdrücke genommen und ein Bild für das Besucheralbum der USA gemacht. Und die üblichen Fragen nach woher, wohin, warum, wie viel Geld hat man dabei, will man in den USA arbeiten, haben Sie Waffen dabei, Gemüse, Fleisch, Obst, Pornos usw. usw. Und dann muss man noch $6 Eintritt pro Person bezahlen. Die Einreise nach Russland war einfacher. Eine Inspektion des Autos wurde angekündigt, aber nicht durchgeführt.
Dann zum Tanken, der Diesel ist hier ca. 15 Cent billiger als in Kanada, er kostet umgerechnet €0,80. Ein reger Tanktourismus ist im Gange, die Preise werden in Gallones und Liter angegeben. Aus welchen Gründen auch immer wird eine Kreditkarte von mir nicht akzeptiert, die andere problemlos.
Wir fahren in Richtung Presque Isle. Was ist anders in USA gegenüber CA? Die Straßen sind besser, die Häuser größer und es steht noch mehr motorisiertes „Gedöns“ vor den Häusern als in CA. Und es ist urbaner.
Ich bin ein wenig enttäuscht von Maine, ich hatte so das Bild im Kopf, es sei die Schweiz der USA, ist es aber nicht. Es gibt eher mehr verkommene oder aufgelassene Häuser als in CA und der White Trash ist auch hier präsent mit seinen vollgemüllten Grundstücken und verkommenen Häusern. Auch hier stehen trotzdem neue Autos vor der Türe.
Presque Isle hat wenig Wintersportfeeling. Wir finden die Biathlonarena, die im Sommer noch trauriger aussieht als im Fernsehen im Winter. Ich entdecke beim Zurückgehen zum Auto, die frisch aufgesteckte Flagge der USA samt Stock ist weg.
Wir beschließen, auf die zweite Biathlonlocation Fort Kent zu verzichten und unverzüglich wieder nach Kanada zu fahren. An der Grenze freundliche Korrektheit und eine sehr oberflächliche, eher neugierige Inspektion des Autos. Wir fahren nach Norden in Richtung Mount Carlton. Es regnet und es ist nur noch 7 Grad. Dabei wäre die Tour den Fluss entlang so schön. In Plaster Rock finden wir auf einem Gemeinde-Freizeitplatz einen geeigneten Stellplatz und machen Schluss für heute. Es gibt gebratenen Schellfisch mit Kartoffeln und ein Bier. Was ein Glück, dass wir nicht auf die örtliche, hamburger- und pizzaorientierte „Gastronomie“ angewiesen sind.
Die Temperatur sinkt weiter, aber uns stört das jetzt nicht. Unser Wohnmobil ist schön warm, es läuft leise 50er Jahre-Rock vom iPod und es gibt ein Glas chilenischen Rotweines.
Die Wetteraussichten für morgen sind besser.

04.06.2011 Ein Tag der Flora und Fauna

Es waren zwar abends noch einmal Neugierige da, aber die Nacht war ruhig. Morgens fragte ein älterer Kanadier, wann denn das Frühstück fertig sei, andere ignorierten uns.
Wir bunkern Wasser und „dumpen“, also entsorgen unseres Abwassers und dann geht es los. Wir bummeln in Richtung Norden, Squirls und ein Waschbär kreuzen unseren Weg, ebenso zwei junge Karibus. Wir entdecken eine Biberburg neben der Straße und dann einen mindestens zwei Metern hohen und mehr als 100mtr. langen Biberdamm.
Wir fahren durch Dörfer und sehen doch kaum ein Haus, nur Hausnummern an Einfahrten und dann die unverzichtbare Kirche irgendeiner uns unbekannten Glaubensrichtung.
Im Mount Carleton Provincial Parc halten wir an und wandern auf diesen Mount, eine Dreistunden-Tour auf 840m Höhe, der höchste Berg von New Brunswick. Der Weg ist steinig, eigentlich gehen wir in einem Bachbett und manchmal auch im Wasser. Es erinnert mich an den Aufstieg zum Lusen im Bayrischen Wald. Auf dem Gipfel steht ein alter Feuerwachturm, die Aussicht ist super.
Unten wieder angekommen scheint endlich die angekündigte Sonne und schon fallen die Mücken über uns her. Kaffee trinken im Freien ist nicht. Ich entdecke, dass der Auspuff schief hängt, eine Halterung ist gebrochen. Nichts tragisches, aber nächste Woche ist Werkstatt angesagt.
Auf dem Rückweg aus dem Park heraus läuft uns noch ein junger Schwarzbär über den Weg, zu schnell für ein Foto. Und dann ist da noch der halbzahme  Fuchs bei den Parkrangern.
In Saint Quentin, hier spricht man französisch und alle Beschriftungen sind so, kaufen wir ein und „fischen“ ein freies Internet für einen kurzen Ausflug in die Welt der Nachrichten.
Kein Campground weit und breit, ich entdecke „Chalet und Bar“ und biege ab. Der Besitzer -er spricht kein Englisch- gestattet uns, vor seinen Chalets an einem Bach zu übernachten. Wir besuchen ihn in seiner Bar und bestellen zwei Pastis.  Das Getränk ist ihm unbekannt, also trinken wir Bier. Die französisch sprechenden Kanadier sind halt doch Kanadier, keine Franzosen. Irmi redet mit ihm über die Saison und Gott und die Welt und stellt hinterher fest: Es ist mir schleierhaft, warum Kanada bei Pisa so gut abschneidet. Der weiß nicht, wo Schweden liegt.
Wir ziehen uns in unser Auto zurück, es gibt Steaks und Rotwein.  Irmi backt noch einen Kuchen, damit wir beim nachmittäglichen Espresso nicht auf die pappig süßen Supermarktcakes angewiesen sind.  Da wir das Backpulver vergessen haben, kommen in Wasser aufgelöste Magnesiumtabletten als Ersatz rein, ich werde berichten, wie das schmeckt. Aufgegangen ist der Kuchen auf jeden Fall.
Vieles ist hier für unseren Geschmack einfach zu süß, auch das Bier. Reisen im eignen Wohnmobil hat einfach etwas, aber eine eigene Brauerei ist leider nicht vorhanden. Sauna auch nicht, leider. Wir sollten Lotto spielen, um das nächste Wohnmobil entsprechend ausstatten zu können.



Mal wieder, was uns an Kanada auffällt:
Warum ist hier Ahornsirup doppelt so teuer wie kanadischer Ahornsirup in Deutschland?
Warum sind hier Papierprodukte  (Küchenpapier, Toilettenpapier) doppelt so teuer wie in Deutschland?
An allen Ecken sind Spender mit Desinfektionsflüssigkeit aufgestellt, super.

05.06.2011


Das Wetter hat sich gebessert, wir frühstücken mal wieder draußen und ärgern uns dann über die Mücken, die beim ersten Sonnenstrahl auftauchen. Unser Gastgeber genießt seine Morgenzigarette auf seiner Terrasse und seine kleine Hündin Daisy, selten hat ein Hundenamen so gut gepasst, macht uns einen Besuch und holt sich ein paar Streicheleinheiten ab. Aber auf die Hinterbeine wie gestern zu Begrüßung stellt sie sich leider nicht. Wir verabschieden uns und bummeln ganz gemütlich erst durch die Ausläufer der Apalachen und durch die Gaspé-Halbinsel den Matapedia-River aufwärts in Richtung Norden, St. Lorenz River, en francais Fleuve Saint-Laurant (hört sich fast an wie ein Weinname).  Die Straße ist zum Teil schnurgeradeaus und dementsprechend hat es steile Abfahrten und dann wieder steile Anstiege. Wenn freie Sicht ist, lasse ich den 1017 laufen, so schnell war der noch nie!
An der Grenze zur Provinz Quebec (nach der Überquerung des Patapedia-River) steht ein Schild mit dem Hinweis, dass LKW nur 110km/h fahren dürfen. Na, da war ich ja nur wenig darüber.
Quebec ist anders als NS oder NB. Ein Teil der Häuser wirkt sehr französisch, es sind oft Gärten angelegt und auch Zäune sind vorhanden. Der Rasen ist nicht so großflächig gemäht wie bisher. Die Friedhöfe sind eher so wie bei uns, Gräber mit Blumenschmuck und nicht wie in Maine, Grabsteine mit der wehenden US-Fahne darauf.
Zusätzlich zu den sonst üblichen fahrbaren Untersätzen stehen hier noch Boote vor der Türe.
Wir erreichen Matane am St. Lorenzstrom und schlagartig sind wir im dichten Nebel, die Temperatur ist von 22 auf 10 Grad gefallen. Wir warten auf die Fähre, die um 17:00 ablegt sie braucht zwei Stunden an das Nordufer. Neben uns steht ein Truck mit laufendem Motor, so richtig sind die Dieselpreise noch nicht angekommen hier. Auf ein Schiff nebenan werden Güterwagons verladen.
Die Überfahrt kostet für unser Auto (8m lang) und uns zwei (Seniordiscount!) $137,80.
Die Überfahrt ist sehr ruppig, Irmi hat trotz Tablette mächtig zu kämpfen, die Arme. Nach zwei Stunden haben wir es überstanden und fahren, da es schon spät ist, unmittelbar einen Campingplatz an.
Beim Rangieren muss ich die Sperre einsetzen und wühle ein bisschen im Sand, was sofort Schaulustige anzieht. Ich komme mir vor wie auf einem Campingplatz in der Nähe des Ruhrgebiets, 80% Dauercamper mit der entsprechenden Mentalität, nur sprechen die hier ein unglaublich hartes Französisch. Wenigstens Internet hat er.





Das sind die Etappen der letzten Tage

Donnerstag, 2. Juni 2011

Back to the Roots, auf nach Petitcodiac

Der Morgen ist schön, also Frühstück im Freien. Internet geht immer noch nicht. Ein Van der Parkverwaltung mit 4 Damen darin fährt vorbei, ich halte sie an und erkläre mein Problem. Freundlich sagt die Fahrerin mir, ich solle mich doch an die Information wenden. Warum kümmert sie sich nicht darum, sie hat eh nichts zu tun, sie macht mit drei Kolleginnen Sightseeing? Also auf zur Information. Dort meint die Dame freundlich, die Parkverwaltung sei zuständig, nicht sie und da solle ich hingehen. Mit leicht angestiegenen Blutdruck (das Notebook unter dem Arm) ab zur Parkverwaltung. Dort, große Büros und keiner am Schreibtisch. Was ich denke, schreibe ich nicht nieder. Endlich kommt jemand und erklärt mir, das könne nicht sein und es sei mein Problem. Nun platzt mir der Kragen und ich werde deutlich (lauter???) und erkläre, dass ich nun beim Dritten bin und das Problem nicht geklärt sei und es sei nicht ein Problem meines Computers sondern das Netzwerk funktioniere nicht. Eine weitere Dame kommt hinzu und ruft endlich den Admin an. Der quasselt den üblichen Adminquatsch von "sind am Arbeiten usw." Ich werfe ihm ein paar Fachbegriffe um die Ohren und gebe deutlich zu erkennen, was ich von ihm halte und gehe. Ein paar Minuten später steht eine Parkrangerin vor unserem Auto und erklärt mir, das Internet ginge wieder und das stimmte. 
Also, überall das gleiche, nur sind die Kanadier freundlicher beim Nichtstun.
Wir brechen auf in Richtung Petitcodiac und suchen Heinz und Helgas alte Heimat. Irmi findet sie, erkennt sie aber nicht. Ich frage einen Straßenbauarbeiter und der weist uns den Weg wieder zu der Stelle, er kennt sogar Heinz, Helga, Wolfgang und Hanna. Die Welt ist doch klein. Wir fahren dahin zurück, ich mache ein paar Bilder, keiner ist da von den jetzigen Eigentümern. 





In Petitcodiac machen wir Kaffeepause, ein Deutscher spricht uns an. Er ist in Kanada gescheitert, warum auch immer. Kaum Zähne im Mund und schäbigste Kleidung.....
Weiter geht es nach Fredericton, der Provinzhauptstadt. Sehr schön, ohne Drähte quer über die Straßen. Wir besuchen die Art Gallery, eine Stiftung des Lord Beaverbrook, der von hier stammt und in England geadelt wurde. Prunkstück ist ein riesiger Dali, Santiage Le Grande, mehr als 5 mtr hoch. Wir nehmen an eine Führung teil und stellen mit Erstaunen fest, dass ein Lucas Cranach (Lucretia) und ein  Matisse (Leda) völlig übergangen wurden. Ein Turner wurde ausführlich besprochen.

Und das war unsere heutigen Tour
Mit Erstaunen haben wir festgestellt, dass wir heute die 2000km-Grenze überschritten haben. Das kam uns gar nicht so vor. Wir sind VIEL zu schnell! Wir müssen nicht in vier Wochen wieder zu Hause sein.
Morgen geht es in die USA zum Tanken und nach Presque Isle, Biathlonland und dann weiter nach Quebec.

Von Pi-Ei nach New Brunswik

31.05.2011

Ich habe heute, warum auch immer, den Service des Campingplatzes genutzt und dort geduscht und war auch dort auf dem Topf.
Ich habe erst einmal abgezogen und den „Swimmingpool“ neu gefüllt. Amerikanische Toiletten erinnern mich an einen Swimmingpool und haben auch einen ähnlichen Wasserinhalt. Auch sonst habe sie viel mit einem Swimmingpool gemeinsam…
Das nachlaufende Wasser kam mir irgendwie komisch vor und ein Griff an die Schüssel (außen!) bestätigte meinen Verdacht, die spülen mit warmen Wasser!!!! Ein weiterer Griff an die Zuleitung brachte den endgültigen Beweis, denn die war heiß. Die Probe bei weiteren Toiletten bestätigte, alle sind mit Warmwasserspülung ausgestattet, also kein Versehen des Klempners, die heißen hier im Übrigen sehr passend  „Plumper“.
Das Urinal hat Kaltwasserspülung, warum eigentlich?


So fotografiere ich
Und so meine Frau..

Wir gehen am Strand des PEI-Nationalparks spazieren, wie Sylt, nur rot. Auch der scharfe Wind erinnert an die Nordsee. Es sind gemessene 12 Grad, gefühlt deutlich weniger. Trotzdem gibt es Leute mit Flipflops, im Mai ist halt Sommer
für die Kanadier.
Danach bummeln wir gemütlich durch die liebliche Landschaft in Richtung Charlottetown. Wir stellen das Auto am Hafen ab, werden natürlich mehrfach angesprochen (ich mache bald einen Flyer zum Verteilen), bummeln durch die Altstadt und gehen sehr englisch „Fish and Chips“ essen. Der Fisch ist super, die Chips so so. In der Altstadt fällt uns das wieder auf, was wir schon in Halifax gesehen haben, die schönen, alten Häuser sind ungepflegt oder stehen schon leer, werden von gesichtslosen Neubauten verdrängt. Warum eigentlich, die zentrale Shopping-Mall hat 50% Leerstand, kein Wunder bei dem Gürtel an Einkaufszentren, der sich rings um jede größere Stadt legt. 
Wir fahren in Richtung über die Confederation Bridge nach New Brunswick. Kurz hinter der Brücke übernachten wir in einem Provincial Parc. Es ist relativ kalt, wir sitzen trotzdem am Feuer und schauen in den Sonnenuntergang über der Northumberland Street, der sehr lange dauert. Die letzte Flasche mitgebrachten Weines wird getrunken, mit Wehmut!


1.6.2011
Es hat 12 Grad Plus und Sonne, wenig Wind, also Frühstück im Freien, sehr zur Verwunderung des Verwalters des Campgroundes. Der versorgt uns noch mit den notwendigen Infos zur Tide, dann brechen wir auf in Richtung Hopewell Rocks, dort hat es die höchste Tide der Welt. Wir besichtigen  Shediac, die angebliche Hauptstadt des Hummers. Irmi kauft einen Hummer(gekocht) und erntet damit Erstaunen, es scheint niemand sonst nur einen Hummer zu kaufen. Er kostete $8! Ansonsten lohnt sich Shediac, wie so viele Kleinstädte nicht, absolut gesichtslos mit den schief stehenden Strommasten und den Leitungen kreuz und quer, die für uns jedes Bild verschandeln. Nach dem Hummerkauf geht Irmi ins Auto und findet eine Riesensauerei vor, ich hatte die Heizung entlüftet und ein Ventil nicht ganz dicht verschlossen.  Wasser, vermischt mit Frostschutzmittel (klebrig) steht im Koffer, putzen ist angesagt!!! Die Matten schwimmen in einer grünen Soße. Die Stimmung ist entsprechend.
Wir gehen auf die Autobahn. Hier sind 110 km/h zugelassen, die unser Auto gar nicht geht. Ich fahre die in Deutschland üblichen 85km/h und bin der absolute „Looser“. Selbst die Bau-Lkw fahren schneller als ich und die Überlandtrucks ziehen mit sicher 110 an mir vorbei!  Ich denke, „if you are on hurry, you are in the wrong place“.  Dem Petitcodiac-River folgend sind unser Ziel die “Hopewell Rocks”. Dort ist die Tide heute ca. 10m und man kann bei Ebbe (wir kommen bei ablaufendem Wasser an) kann man sozusagen auf dem Grunde des Meers spazieren gehen, was wir auch tun. Eine zum Teil sehr schlammige Angelegenheit. An den Engstellen zwischen den Felsen ist der Wind so stark, dass man sich richtig gegen stemmen muss, Brockenfeeling sozusagen.
Zur Übernachtung fahren wir in den Fundy National Parc. Leider funktioniert das Internet nicht, der Nachbar meint, es läge an dem Sturm, der den ganzen Tag tobte. Teilweise sei der Strom ausgefallen. Kein Wunder bei der maroden Infrastruktur.
Wirt essen den Hummer, den Irmi mittels Nussknacker! und feiner Hummergabel (ein Schraubenzieher ginge auch, meint Irmi) zerlegt. Schmeckt gut, obwohl, ich oute mich als Feinkostbanause, mir ist Hummer nicht ganz so wichtig. Eine fränkische Bratwurst und ein Viertel Silvaner dazu wären mir jetzt lieber. Das Hummerfleisch schmeckt leicht süßlich und das mag ich nicht.
Ein Gewitter geht nieder, wir sitzen im Auto und ich schreibe Blog (offline natürlich und sortiere Bilder, Irmi liest Theodor Storms Novellen. Morgen fahren wir in Richtung Petitcodiac und Irmi möchte versuchen, Heinz‘ Haus zu finden.




Montag, 30. Mai 2011

Unser heutiges Ziel ist die kleinste, kanadische Provinz und eine Insel, Prinz-Edward-Island, genannt PEI, gesprochen Pi-Ei. Es ist Vorsaison, so müssen wir an der Fähre 2 Stunden warten, kein Problem, wir haben Zeit. Ich fülle Öl nach und Irmi macht Mittagessen. Dann beschließt sie, zu waschen mit unserer Waschmaschine. Und das geht so: Die Wäsche wird samt Waschpulver und heißem Wasser in einen Kasten mit Deckel gepackt und in das Bad gestellt. Das maschinelle Waschen besorgt das Gerüttele und Geschüttele des fahrenden Autos auf den doch mehr als mäßigen Straßen Kanadas. Es war der erste Test und am Abend meinte Irmi, das Ergebnis sei deutlich besser als das der kanadischen Waschmaschinen.

Doch zurück zur Fähre, wir sitzen auf dem Oberdeck und genießen bei warmen, sonnigen Wetter (der Wind war warm wie auf dem Mittelmeer!) die Überfahrt.  Es tauchen dann plötzlich viele Menschen auf mit Namenschildern, es ist nicht alles zu erkennen, aber einmal steht der Name darauf und dann groß Jesus Christus. Die Männer sind in schwarzen Anzügen mit Krawatte und die Frauen und Mädchen in Kleidern! Die Ähnlichkeit (Gesicht und Figur) zwischen zahlreichen Mitgliedern der Gruppe ist verblüffend. Plötzlich lösen sich zwei Mädchen aus der Gruppe, setzen sich uns gegenüber auf die Bank und stellen sich vor als Sister Bradley und Sister Olson. Sie waren zwar schon über zwanzig, benommen haben sie sich aber wie Teenager und wir kamen uns vor wie in einem Hollywoodschinken aus den Fünfzigern. Das „oh, my god“, „oh, how exciting“ wollte gar nicht aufhören. Ich fand es amüsant, Irmi nervend.  Als geklärt war, dass man heute als Mormone nur eine Frau haben darf und ich ja verheiratet sei, habe ich erklärt, bei meinem Nichtglauben zu bleiben. Eine „Visitenkarte“ mit der Internetadresse der Mormonen musste ich jedoch dann doch mitnehmen.



Die Anlandung der Fähre beendete die Anekdote.
Wir sind dann an der Ostküste von Pi-Ei entlang gefahren, vorbei an einem Weingut (ohne Stopp!). Die Küste und Landschaft sind wunderschön, die Erde und die Felsen rot wie in der Pfalz. Rote Sandstrände, wo gibt es denn sonst so etwas. 

Nachdem wir das angestrebte Ziel, den „Pi-Ei National Park“ nur durch eine Gewalttour erreicht hätten, beschlossen wir, uns eine Stelle für die Nacht zu suchen. Zwei Campingplätze, an denen wir vorbei fuhren, hatten kein Internet. Also weiter, bis wir in der Nähe von Montague an einem Platz namens „Roma“ landeten und beschlossen, zu bleiben. Die  erste Nacht wirklich abseits von Camping, die Amis nennen das Boondocking.  Wir stellen den LKW ab und besichtigen den Platz, etwas abseits steht ein Auto. Irmi geht darauf zu und kommt zurück mit der Bemerkung „da liegt ein älterer Mann oben“. Nun, weder die noch wir haben uns stören lassen.
Eine nähere Besichtigung des Ortes (das Auto ist zwischenzeitlich verschwunden) ergab, dass bereits 1732 ein Herr namens  Jean Pierre Roma hier eine Werft aufgebaut hat mit zwei Docks, auf denen über dreißig Schiffe gebaut wurden, von denen fünf in den Archiven verzeichnet sind. Außerdem siedelte hier einer der berühmten MacDonalds (nein, nicht  McDonald, mit Hamburgern hat das nichts zu tun), einer der Mitbegründer der kanadischen Föderation, die ja auf Pi-Ei stattgefunden hat.
So, die Wäsche hängt zum Trocknen auf der Leine und der Riesling (Rauenthaler Wülfen 2009, Kabinett trocken) ist im Glas. Ein Grund mehr aufzuhören.
Nachsatz: Es ist Ortszeit 22:25 (03:25 in D) und es hat 21,3 Grad bei leichtem Wind und Bewölkung 50%.
Die Nacht hat es dann gegossen, Frühstück also im Auto. Im Laufe der Fahrt wurde es besser und dann gut. Wir haben eine Brennerei besichtigt und Pastis gekauft. Der Eigentümer ist ein englischer Arzt, der in Kanada hängen geblieben ist und seinen Arztberuf an den Nagel gehängt hat. Die Destillationseinrichtung stammt aus Göppingen. Ansonsten ein beschaulicher Tag mit sehr schöner Landschaft. Ein Hauch von Sylt kommt teilweise auf, wenn auch die Strände rot sind.
Leider sind die Campgrounds im Nationalpark noch geschlossen und so stehen wir auf einem kommerziellen Platz in Cavendish. Wenig romatisch, weg vom Meer, aber mit Internet.
Auf dem riesigen Platz stehen vielleicht 6 Camper, aber in der Rezeption wurde intensiv diskutiert, welchen Platz  man uns zuweisen soll.



Samstag, 28. Mai 2011

Wir sind zurück aus dem Kommunikationsnirwana

Was ist zwischenzeitlich passiert?

Zuerst haben wir haben Alexander Graham Bell unsere Referenz erwiesen indem wir das ihm gewidmete Museum in Baddeck besuchten.  Anekdote am Rande: Wir haben uns in diesem Museum die Jahreskarte für alle kanadischen Nationalparks und National Sites gekauft, die Dame an der Kasse war damit ein wenig überfordert und meinte „if you are on hurry, you are on the wrong place“. In Kanada ticken die Uhren offensichtlich anders.
Was wir nicht wussten, Bell hat sich intensiv mit der Schulung von Gehörlosen beschäftigt, hat Kite-Drachen und Flugzeuge entwickelt sowie ein Tragflügelboot, das über 10 Jahre den Geschwindigkeitsweltrekord für Boote mit über 108 km/h gehalten hat.
Dann sind wir auf den Cabot Trail „gegangen“
Im Cape Breton Highlands National Park sind wir zum „ Mary Ann Falls“ gefahren und haben tatsächlich den ersten Elch zu Gesicht bekommen.  In Meat Cove, der nördlichste  erreichbare Punkt von Cape Breton, haben wir dann einen super Platz hoch über dem Meer an der Steilküste gefunden. Der Weg dahin führt über eine steile, ausgesetzte und kurvenreiche Sandstraße, also genau das richtige für unser Auto!
Wir finden ein paar Stücke Holz und es gelingt mir, damit ein Feuer zu machen. Bei einem Glas Rotwein blicken wir auf die See, entdecken einen Wal und vermuten New Foundland am Horizont.


Am Rande und „off topic“: Was mir an und in Kanada auffällt:

Was man hier als Toilettenpapier bezeichnet, gilt bei uns maximal als Seidenpapier!

Je größer das Grundstück, desto mehr Schrott  steht darauf herum.
Wer etwas auf sich hält, mäht trotzdem den Rasen darum herum.

Am Wochenende mäht man Rasen oder man veranstaltet „Yard Sale“ bzw „ Garage Sale“, also privaten Flohmarkt vor der Türe bzw. in der Garage oder man besucht diese oder man spielt Golf.

Das Haus auf dem riesigen Grundstück darf nie größer sein als die Garage und der Trailer/Wohnmobil zusammen, die vor dem Haus parken.
Das Haus kann vergammelt sein, das Auto nie.
Truck und Quad müssen sein.

In der arbeitenden Bevölkerung sieht man Menschen meines Alters noch arbeiten, auch auf dem Bau! Und die sehen nicht unglücklich aus!

Der Straßenzustand erinnert mich teilweise an Rumänien vor der EG.

Alle Kabel sind überirdisch verlegt (Auch in den Städten, bis auf Halifax) und die meisten Masten sind aus Holz, auch die Mittelspannunsmasten.

Dialog auf einem Parkplatz:

Can: Where do you come from?
Ich: Germany
C: Oh, I’ve been their
I: Where?
C: Don’t know
I: Oh!
C: Alemania, is that the community in Germany where you come from? (Alemania steht über Germany auf den Seiten und dem Heck des Autos)
I: No, it says Germany on Spanish!
C: Oh, have a good trip!

Das Essen im Restaurant ist in etwa so teuer oder teurer als bei uns. Beim ersten Blick auf die Speisekarte fällt das gar nicht auf, ABER es kommen 15% Tax hinzu und mindesten 10% Tip. Bingo!


27.05.2011

Wir werden von den schweren Motoren der Lobsterfischerboote geweckt. Ein Traumtag, Sonne, Wärme und wir beschließen zu bleiben.


Es wird ein ereignisreicher Tag werden. Erst einmal geht das Fenster rechts vorne am Koffer kaputt, weil die Türe dagegen knallt. Ich kann es reparieren und hoffe, dass es bei Regen dicht ist.

Dann fischt eine Kolonie Tölpel direkt vor unseren Augen, beeindruckend, wie sich die Vögel aus großer Höhe (30 mtr und mehr) senkrecht ins Meer stürzen und dann für mehrere Sekunden unter Wasser sind. Nicht jede Jagd ist erfolgreich, denn oft steigen sie wieder auf, um gleich wieder in den Sturzflug überzugehen. Oder der Fisch war sehr klein.

Wir machen einen Spaziergang zum Strand, die Steilküste hinunter, waten durch einen noch recht kalten Fluss und testen mit den Füßen das Meerwasser. Wir sind uns einig, für eine ausgiebige Schwimmtour noch zu kalt (geschätzt ca. 10 Grad). Den Rückweg laufen wir den kleinen Fluss entlang, zwei junge Hunde begleiten uns. Bei denen muss Boardercollie eingemischt sein, ständig schauen sie sich um, ob wir ihnen folgen.

Zurück am Auto, Irmi liest auf der Liege und ich bin im Auto, als die beiden Hunde auftauchen. Einer rennt unter dem aufgestellten Wäscheständer durch und, eine Szene wie gestellt, hat mein Unterhemd um den Hals. Er lässt mich nicht an sich heran kommen und haut ab. Unterhemd ade.

Wir beschließen, einen Ausflug mit dem „Moped“ zu machen und ich fahre vorher alleine eine Runde durch Meat Cove und siehe da, die Beiden liegen in einem Garten und dort findet sich auch mein Unterhemd wieder, wenn auch nun endgültig reif für die Wäsche.
Der Ausflug nach Bay St. Lawrence ist hoppelig, die vielen Schlaglöcher auf der steilen Sandstraße sind mit dem Moped noch unangenehmer als mit dem LKW und viel später zu sehen! Wir sprechen mit den Fischern, die mit dem heutigen Fang unzufrieden sind und mit Lobsterfischern, die anscheinend sehr zufrieden sind. „Gas“ für das Moped bekommen wir geschenkt aus der großen Tankstelle für die Bootsmotoren, bei deren Verbrauch fallen die drei Liter unter Schwund. Wir reden über Deutschland, dass hier sehr hoch im Kurs zu stehen scheint.
Mit den besten Wünschen für unseren Trip versehen fahren wir zurück und direkt in den Nebel. Eine riesige Nebelwand zieht vom Meer herein und in kürzester Zeit ist es grau und kalt. Wir kommen uns vor wie im Film „Im Nebel des Grauens“ und ziehen uns in das warme Auto zurück. Nach zwei Stunden hat sich der Nebel ein wenig verzogen, aber die Temperatur ist von 24 auf 14 Grad gesunken.